Liebe ist nicht immer nett



 

Heute war es sehr heiss und ich mit meinen Hunden an einem Fluss.

Da wir auf Fortbildung hier waren kannte ich den Fluss nicht aber er war so unglaublich idyllisch, dass ich unbedingt mit meinen Hunden da spazieren gehen wollte.

 

Leider trügte die Idylle, denn das Ufer war so steil das mein 11-jähriger, erfahrender Mix kopfüber ins Wasser stürzte und nicht mehr von alleine hochkam.

 

Zudem erschwerten Algen und Unterwasserpflanzen ihm das Schwimmen, so dass er kaum vom Fleck kam. Er konnte sich zwar mit seinen Paddebewegungen über Wasser halten die Frage war nur wie lange?

 

Und so packe ich ihn am Kragen, es war für ihn schon unangenehm, aber was sollte ich machen, er wäre sonst evtl. ertrunken.

Keiner der diese Geschichte hört würde sich hier echauffieren, dass ich meinen Hund am Nacken gepackt habe, um ihn aus dem Wasser zu fischen.

 

Der Schutz des Hundes steht hier klar im Vordergrund.

Geh ich aber spazieren und stupse meinen Hund mal in die Flanke, damit er aufhört andere Hunde anzupöbeln oder andere Tiere zu hetzen, bewege ich mich laut manchen Hundebüchern und Hundeschulen (auch nur da) schon innerhalb einer Tierschutzrelevanz.

Ja was nun ?

 

Ich liebe meinen Sohn, deshalb diskutiere ich es nicht mit ihm aus, ob es ratsam ist jetzt bei Berufsverkehr über die Straße zu rennen, ich nehme ihn an der Hand und setze mich da durch. Es wird nicht auf die Straße gerannt. Da kann er noch so toben, schreien und zerren ich setze mich da durch.

 

Genauso liebe ich meinen Hunde.

Und Liebe ist nicht immer nur nett.

 

Sind wir doch mal ehrlich. Unsere besten Freunde und Lieblingsmenschen sind nicht die, die dir ständig Zucker in den Arsch blasen. Es sind jene, die hinstehen und auch deutlich Grenzen aufzeigen und sagen: "Hey, ich hab dich lieb. Aber dein Verhalten gerade geht überhaupt nicht. Ich habe Angst dir passiert etwas, wenn du so weiter machst".

 

Genau das ist es doch was meiner Ansicht nach heutzutage so vielen Tut Nixen fehlt und zwangsläufig zu Verhaltenauffälligkeiten führt.

 

Liebevolle, klare und wenn nötig auch deutliche Grenzen. Die Hundewelt braucht mehr davon.

 

Doch warum fällt uns das so schwer?

 

Wir Menschen sehnen uns nach einer reinen, bedingungslosen Form von Liebe.

 

Genau diese erhalten wir von unserem Hund und es ist uns ein Bedürfnis, diese in gleicher Form zurück zu geben. Allerdings so wie wir sie als Mensch verstehen.

Das Bedürfnis kann ich gut nachvollziehen, aber tun wir unserem Hund damit wirklich was Gutes?

 

Nicht jeder der zuckersüß zu dir redet liebt oder mag dich. Und auch wenn deine Freundin manchmal sehr direkt und beinahe verletzend ist, stehst du ihr trotzdem näher als der freundlichen Bäckerin von Treiber.

 

Wie kann das sein? Die Bäckerin ist doch immer nett, zuvorkommend und freundlich.

 

Bäckerin: "Guten Morgen, was darf´s denn sein?"

Ich: " Zwei Butterbrezeln und ein Walnussbrot, bitte."

Bäckerin: "Möchten Sie das Brot geschnitten, oder am Stück?"

Ich: " Geschnitten wäre prima"

Bäckerin: "Aber gern. Darf es sonst noch was sein?"

Ich: "Nein, das wäre alles. Dankeschön."

 

Sehe ich manche Hundehalter im Dialog mit ihrem Hund komme ich mir vor wie beim Bäcker. Nur das der Hund nicht so freundlich antwortet, sondern gekonnt ignoriert.

 

Ich weiß auch wenn meine Freundin manchmal nicht nett ist, hat sie mich lieb und ist deswegen so direkt. Ihr ist es nicht egal wie es mir geht.

 

  • Ist es also Liebe zum Hund eine Erziehungsmethode zu benutzen, die lieber Konfrontationen umgeht und Management betreibt bis zum abwinken?
  • Machen wir das aus Liebe, oder weil wir als Menschen so erzogen wurden und uns deutlichen Worten schämen? Fühlen wir uns besser auf einer rosaroten Wolken, da es innerhalb unserer Komfortzone ist und wir nichts an unserem Bewusstsein ändern müssen?
  • Ist es ein Ausdruck von Liebe, wenn ein Hund alles darf, oder ein Zeichen von geistiger Faulheit und Unklarheit?

 

Ich diskutiere mit meinen Hunden. Manchmal auch ordentlich je nach Hund.

 

Und trotzdem kann das unserer Liebe zueinander nichts anhaben, im Gegenteil, sie wächst immens dadurch . Ich kommuniziere mit meinem Hund, es ist mir wichtig was er tut und nicht tut. Mein HUND ist mir WICHTIG. Der Ursprung ist entscheidend in unserem Kommunikation mit dem Hund.

 

Hunde sind Hunde und doch nicht alle gleich.

 

Du erreichst liebevolles aufzeigen von Grenzen nicht bei jeden Hund gleich. Dem einen genügt schon ein konditioniertes Abbruchsignal der andere versteht die Grenze erst bei einem Block durch den Körper.

 

Wenn dein Hund in der Pubertät Freude daran hat hilflosen Tieren nachzusetzen ode andere Hunde platt zu machen, tust du ihm keinen Gefallen damit wenn du nur Luft und Liebe sendest. Er sucht nach gesunden Grenzen. Und die beginnen schon VOR dem Spaziergang und fern ab von eigentlichem Problem.

 

Natürlich ist es wichtig seinen Hund auch mittels positiver Verstärkung auszubilden und zu erziehen und es ist Fakt, dass dies ein nicht zu vernachässigter Teil eines Ganzen darstellt.

Doch auch innerhalb einer rein positivem Ausbildung, muss es für den Hund Konsequenzen und Grenzen geben. Auch da geht es nicht immer nett.

 

Wenn ihr von eurem Hund Ernst genommen werden wollt, müsst ihr selbst anfangen euch selbst zu respektieren. Dazu gehört es auch mal "Nein" zu sagen und es auch zu meinen.

 

Herzlichst eure Katharina

 

Foto von Irina Wünsche